Mit der Umwandlung der Kolonie Martinique in ein Übersee-Departement im Jahr 1946 erhielten alle Bewohner der Insel, unabhängig von der Hautfarbe, die gleichen staatsbürgerlichen Rechte wie die Franzosen des europäischen Mutterlandes, das zur besseren Abgrenzung wegen seiner Form auch als »Hexagon« bezeichnet wird. Die weit entfernte Lage der Insel in den Tropen, zumal noch mit mehrheitlich schwarzer Bevölkerung anderer Mentalität, macht es den vom Mutterland kommenden Franzosen nur schwer verstehbar, daß sie sich auf Martinique noch im eigenen Lande befinden. Die einheimischen weißen, aber auch schwarzen Franzosen werden denn auch nicht müde, dem Besucher gegenüber zu betonen, dies sei das »warme« Frankreich.
Ein diensttuender Polizist, der dem Autor auf seine insistierende Frage nach den Gründen einer nicht einleuchtenden Straßensperre keine plausible Auskunft geben konnte, sagte schließlich resignierend: »Monsieur, Sie sind hier nicht in Frankreich!« Den verdutzten Blick erkennend, korrigierte er in staatsbürgerlicher Selbstbesinnung: »Will sagen, nicht im Hexagon.«
Formal gleicht also die administrative Struktur der eines Departements in Frankreich selbst. An der Spitze steht als Vertreter der Zentralregierung ein Präfekt. In der Nationalversammlung in Paris ist die Insel mit vier, im Senat mit zwei Abgeordneten vertreten. Die großen politischen Parteien des Mutterlandes sind auch auf Martinique zu finden. Daneben haben sich lokale Parteien, wie die Parti Progressiste Martiniquais (PPM - Fortschrittspartei Martiniques) und die Union pour une Martinique de Progres (UMP - Union für den Fortschritt Martiniques) herausgebildet. Im Gegensatz zu Guadeloupe hat sich auf Martinique jedoch keine Unabhängigkeitsbewegung bemerkbar gemacht. Die schwarze Mittelklasse ist eher konservativ und gemäßigt, allenfalls wünscht man eine größere innere Autonomie.